Crash-Test-Dummies: Die unsichtbare Familie hinter sicheren Kindersitzen
Ein exklusiver Blick hinter die Kulissen bei Britax Römer
Wenn Eltern einen Kindersitz kaufen, vertrauen sie auf ein Versprechen: maximale Sicherheit für ihr Kind. Doch was steckt hinter diesem Versprechen? Einen entscheidenden Beitrag leisten jene, die man nie auf der Straße sieht – die Crash-Test-Dummies.
Sie sind die unsichtbare Familie im Hintergrund, die Tag für Tag dafür sorgt, dass Kindersitze nicht nur bequem, sondern vor allem lebensrettend sind. Bei Britax Römer begleiten sie jede neue Entwicklung. Vom ersten Prototyp bis zum fertigen Sitz liefern sie Antworten auf die wichtigste Frage: Wie schützen wir Kinder im Ernstfall am besten?
In unserem #hinterdenkulissen werfen wir einen Blick auf diese Dummy-Familie – und zeigen, warum ohne sie kein sicherer Kindersitz auf den Markt kommt.
Der erste Römer Kindersitz!
1966 kam der aufblasbare Römer LUFKI in Deutschland auf den Markt, während der Britax Star Rider in Großbritannien sein Debüt feierte. Der LUFKI wurde in Ulm von dem jungen Vater und Römer Mitarbeiter Hermann Wetter entwickelt. Die Idee für einen Kindersitz kam ihm im Jahr zuvor, als er seine neugeborene Tochter in einem Pappkarton auf dem Rücksitz des Autos von Wien, Österreich, nach Ulm fuhr. Auf Drängen seiner Frau suchte er nach einer besseren Lösung für den sicheren Transport von Kindern im Auto.
Crash-Test-Dummies - stille Helden im Hintergrund
Sie lachen nicht, sie weinen nicht – und doch sind sie entscheidend für die Sicherheit unserer Kinder: die Crash-Test-Dummies. Als "unsichtbare Mitarbeiter" begleiten sie jede Entwicklung eines neuen Kindersitzes und zeigen im Test, was im Ernstfall zählt.
Hubert aus dem Marketing von Britax Römer hat seine Kollegen Michael und Pablo zum Gespräch gebeten. Gemeinsam werfen sie einen Blick hinter die Kulissen – und stellen die Dummy-Familie vor, die im Labor tagtäglich für mehr Sicherheit arbeitet.
Wozu werden die Dummies eigentlich genutzt?
Die Dummies sind ja quasi Modelle echter Kinder und sind letztlich ein Entwicklungsinstrument - beziehungsweise ein Messinstrument in Form eines Kindes. Die Entwicklung eines Kindersitzes ist wirkliche Forschungsarbeit – das heißt es gibt kein Handbuch, welches uns sagt, wie man Kindersitze so gestaltet, dass sie möglichst sicher sind. Wir starten mit einer Idee, natürlich basierend auf Erfahrung - aber während der Entwicklung eines Kindersitzes sagen uns dann die Dummies, ob die Sitze die im Unfall eintretende Energie zielgerichtet und entsprechend den Erwartungen abbaut.
Kinder sind ja alle unterschiedlich groß – gibt es von daher auch verschieden große Dummies?
Ja, bei der Kindersitz-Entwicklung kommen sechs verschiedene große Dummies zum Einsatz, welche die verschiedene Größen beziehungsweise Wachstumsschritte der Kinder darstellen. Der kleinste Dummy ist der sogenannte Q0 Dummy, der ist etwa 45 cm groß und stellt ein neugeborenes Kind dar. Dann folgt der der Q1 Dummy - der stellt ein Kind dar in der Größe von 74 cm. So geht das dann in Prinzip weiter bis zum Q10 Dummy, der einen 10-Jährigen repräsentiert und 145 cm groß ist.
Du sagtest vorher „Q-dummy“ – was bedeutet das denn?
Das "Q" steht für die Generation von Dummies. In der Dummy-Entwicklung hat es in den letzten Jahren einen großen Fortschritt gegeben. Die Q-Dummies repräsentieren im Crashfall ein echtes Kind besser, als es die sogenannten, früheren P-Dummies taten. Zudem sind die Q-Dummies mit mehr Sensoren ausgestattet, als es die P-Dummies waren und ermöglichen somit mehr Messpunkte.
Was messen diese Sensoren denn, und wie viele Sensoren sind in so einem Dummy verbaut?
In einem Q-Dummy sind je nach Größe bis zu 19 Sensoren verbaut. Damit können dann bis zu 76 Signale ausgemessen werden. Die Sensoren messen auftretenden Kräfte in verschiedensten Bereichen, wie zum Beispiel in der Brust, im Hals-/Nackenbereich, oder auch im empfindlichen Bauchbereich.
Ideen wie z.B. das XP-PAD konnten so zielgerichtet entwickelt und optimiert werden. Mit den Sensoren im Brustbereich konnten wir zeigen, wie die auftretenden Kräfte reduziert werden – das Kinn trifft auf eine größere Fläche auf, und durch das Schaummaterial wird der Aufprall gedämpft. Ebenso konnten wir zeigen, dass auch die eintretenden Kräfte im Nackenbereich deutlich reduziert werden.
Muss so ein Dummy auch mal zum Arzt, beziehungsweise zur Kontrolle?
Ja - es ist wichtig, dass die Dummies quasi zu Kontrollterminen gehen, um sicherzustellen, dass die Sensoren genau messen und eben auch die Dummies sonst keine Schäden haben. Wenn mal etwas kaputt gehen sollte, können Einzelteile ausgetauscht werden. Regelmäßig müssen die Dummies auch zur „Hauptkontrolle“, da wird der Dummy komplett kalibriert - sprich die kompletten Einstellungen werden überprüft. Somit werden in der Entwicklungsarbeit nur geprüfte Dummies eingesetzt.
Und woher kommen die Dummies eigentlich? Baut Britax Römer die selbst?
Nein, wir als Hersteller von Kindersitzen bauen die Dummies nicht selbst. Die Dummytechnologie ist ein absolutes Spezialgebiet – es gibt weltweit nur sehr weniger Hersteller, die sich auf die Entwicklung und den Bau von Dummies spezialisiert haben.
Und was kostet so ein Dummy?
Das hängt von der Größe und Ausstattung ab – je nach Größe kostet ein für die Kindersitz-Entwicklung genutzter Dummy bis etwa 100.000 EUR.
Und nutzen alle Hersteller die gleichen Dummies?
Ja, in Prinzip schon. Die Dummies begleiten ja die Entwicklung der Kindersitze bis hin zur offiziellen, gesetzlichen Zulassung. Und da werden die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Dummies genutzt. Das schafft dann eine Vergleichbarkeit über die Hersteller hinweg und stellt sicher, dass die Dummywerte, die mit den Sitzen erzielt werden, die gesetzlichen Anforderungen erfüllt, bevor dann ein Kindersitz auf den Markt gebracht wird.
Überprüft Ihr denn bestimmte Themen bei der Kindersitz-Entwicklung auch mit echten Kindern?
Ja, aber das sind natürlich nur die Ergonomie- und Komfortthemen. Da besuchen wir immer wieder echte Kinder zum Probesitzen und Beobachten. Wir befragen die Kinder nach ihrem Sitzempfinden und schauen uns das genau an, um die Sitze immer besser zu machen. Und wir befragen natürlich auch Eltern zum Einbau und zu Nutzungsthemen, wie zum Beispiel zur Position von Verstelltasten am Sitz.
Wo glaubt ihr denn, wird sich die Dummyentwicklung hinbewegen?
Zum einen gibt es schon digitale Dummies - also digitale Modelle von Menschen. Die können wir dann im Computer auf digitale Modelle der Kindersitze setzen und dann so Unfälle simulieren. Das ist aber schon fast ein eigenes Thema. Zum anderen arbeiten die Dummyhersteller daran, die Dummies immer weiter naturgetreuer zu gestalten, so dass sie eben möglichst nah an das tatsächliche Verhalten eines menschlichen Körpers kommen. Ebenso wird sich auch die Sensortechnologie immer weiter entwickeln. Das Ganze wird uns natürlich helfen, immer bessere und sicherere Kindersitze zu entwickeln.
Vom Testlabor ins echte Leben
Am Ende geht es bei allen Crash-Tests und Messwerten um das, was wirklich zählt: unsere Kinder. Jede Innovation, jeder Dummy-Test und jede Zahl dient nur einem Ziel – Kinder im Auto bestmöglich zu schützen.
Und genau das zeigen auch die aktuellen Kindersitze von Britax Römer: Sie sind nicht nur technisch geprüft, sondern im Alltag echte Begleiter für Familien.